In unserer heutigen Gesellschaft ist das Trinken von alkoholischen Getränken sehr verbreitet. Bei geselligen Anlässen aller Art trinken ca. 90 % der deutschen Bevölkerung Alkohol. Das gehört für sehr viele "einfach dazu". Ein alkoholisches Getränk zu trinken wird oft als angenehm empfunden und schmeckt in seinen vielen Erscheinungsformen gut. Ein Glas Bier löscht den Durst, ein Glas Wein kann willkommene Entspannung nach einem anstrengenden Tag bedeuten. Es ist gemütlich, mit Freunden in die Kneipe zu gehen, am Stammtisch zu sitzen. Solche Kontakte sind für jeden wichtig.
Epilepsie und Alkohol
Menschen, die eine Epilepsie haben, werden oft wegen ihrer Anfälle mit sozialen Einschränkungen konfrontiert (z. B. Ausschluß von bestimmten Berufen, Führerscheinverbot, Einschränkung beim Schwimmen etc.). Da Alkoholgenuß in unserer Gesellschaft die Norm ist, kann sich ein Mensch mit einer Epilepsie zu recht oder zu unrecht ausgeschlossen oder in einer Sonderrolle fühlen, wenn er/sie ein angebotenes Getränk zurückweisen muß. Dies erfordert persönliche Stärke, zuweilen auch Einfallsreichtum, wenn man nicht über seine Epilepsie sprechen will.
Es gibt verschiedene andere gesundheitliche Gründe, auf Alkohol zu verzichten. In Bezug auf epileptische Anfälle gehen selbst bei Ärzten die Meinungen auseinander. Das Gespräch mit dem Neurologen ist aber für alle wichtig, die sich dieser Frage gegenübergestellt sehen, denn jeder Mensch reagiert anders auf Alkohol.
Anfälle und Alkohol
Früher war besonders unter Neurologen und in deren Handbüchern die Theorie weitverbreitet, daß Alkoholgenuß Anfälle auslösen kann. Daher wurde Anfallskranken grundsätzlich jeder Alkoholgenuß verboten.
Heute geht man jedoch davon aus, daß ein direkter Einfluß von Alkohol auf Anfälle nicht nachgewiesen und dieses strikte Verbot nicht aufrecht erhalten werden kann. Wenn es nach Alkoholgenuß zu vermehrten Anfällen kommt, können diese viel wahrscheinlicher durch die damit einhergehenden Umstände wie Schlafmangel und/oder unregelmäßige Tabletteneinnahme hervorgerufen worden sein.
Alkoholmißbrauch
Jeder, der Alkohol zu sich nimmt, muß verantwortlich damit umgehen, will er die oft damit verbundenen schwerwiegenden Gesundheitsprobleme vermeiden. Wer regelmäßig eine bestimmte (auch geringe) Menge Alkohol zu sich nehmen muß, sollte sich ehrlich fragen, ob er/sie nicht alkoholkrank bzw. -süchtig ist.
Alkoholismus ist eine Krankheit und keine gesellschaftliche Schande, ebensowenig wie Epilepsie. Mit der aktiven Mithilfe des Betroffenen kann Alkoholismus oft erfolgreich behandelt werden. Deshalb ist dringend zu raten, darüber mit dem Neurologen zu sprechen. Fast in jeder Stadt gibt es Selbsthilfegruppen für Alkoholkranke (z.B. Anonyme Alkoholiker), die dem Betroffenen sehr gut helfen können.
Bei Alkoholkranken treten beim Alkoholentzug des öfteren epileptische Anfälle auf. Diese werden als Entzugsanfälle und nicht als Epilepsien definiert, da sie an die Entzugssituation gebunden sind.
Dennoch haben Alkoholkranke ein viel höheres Risiko für Hirnschädigungen, sei es durch den Alkohol selbst, sei es durch alkoholbedingte Verletzungen. Diese Schädigungen können ihrerseits zu Epilepsien führen.
Alkohol und Medikamente Alkohol ist eine Droge. Seine Wirkung ist individuell verschieden. Allerdings können Menschen, die Medikamente mit Wirkung auf das Gehirn einnehmen, wesentlich empfindlicher auf Alkohol reagieren. Die berauschende und gleichzeitig dämpfende (sedative) Wirkung von Alkohol verstärkt sich mit der ähnlichen Wirkung vieler Mittel gegen Epilepsien und umgekehrt.
Der Spiegel der meisten Antiepileptika im Blut wird durch mäßigen Alkoholgenuß nicht beeinflußt. Es kann aber eine Verstärkung der unerwünschten (Neben-) Wirkungen dieser Mittel wie Doppelsichtigkeit, Schläfrigkeit, Gleichgewichtsstörungen u.ä. eintreten.
In diesem Fall darf aber keinesfalls das Medikament gegen Epilepsie weggelassen werden, sondern es muß auf Alkohol verzichtet werden. Verantwortungsvolle Menschen werden überhaupt keinen Alkohol trinken, wenn sie mit dem Auto fahren.