Verhaltensmuster und Vorgefühle als Indikatoren eines Krampfanfalls

Epilepsie und Krampfanfälle selbst erkennen

Die unten aufgeführten Schilderungen sind sehr wichtig und werden als Anfallsanamnese zur Deutung von Epilepsie bezeichnet. Einzelheiten eines Anfalls lassen sich beim ersten epileptischen Krampfanfall nicht immer klären. Hierbei istder / die Beobachter/innen oftmals in Sachen Epilepsie nicht geschult und einzelnewichtige Phänomene gehen somit schnell unter.

Die folgende Liste beschreibt diverse Handlungen und Reaktionen eines Patienten, welcher im Rahmen von Epilepsie einen Anfall erleidet. Alle aufgeführten Punkte wurden in der Vergangenheit beobachtet und basieren auf Erfahrungswerten unterschiedlichster Patienten. 


  • Anfallsvorgefühle (Prodromi) – hierbei sind Gefühle gemeint, die der Patient vor dem Anfall erlebt hat, wie z. B. Spannungszustände oder eine Depressivität
  • Aura – die Aura entspricht dem Beginn des Anfalls im Gehirn. Der Patient merkt dabei verschiedene Dinge wie z. B. Blitze oder Bilder sehen, Worte oder Töne hören, einen komischen Geruch oder Geschmack wahrnehmen, ein Kribbelgefühl am Körper, das sich ausbreitet auf andere Körperregionen, einen gewissen Gedanken fassen müssen, ein Glücksgefühl oder ein depressives Gefühl, eine plötzliche Angst ohne erkennbaren Anlass, das Gefühl, alles schon einmal gesehen oder gehört zu haben (deja vu oder deja entendu Aura), eine aufsteigende Übelkeit vom Magen her.
  • Bewusstseinsverlust – das Bewusstsein ist häufig eingeschränkt oder ganz ausgeschaltet. Als Außenstehender kann man dies überprüfen, indem man den Patienten anspricht und auffordert, gewisse Dinge zu tun.
  • Automatismen - es handelt sich um wiederholte Bewegungen im Gesicht oder an Armen oder Beinen. Diese können durchaus bekannt sein wie z. B. Lippenlecken, Kauen, Zupfen an der Kleidung, Radfahren mit den Füßen, sind der Situation jedoch nicht angemessen.
  • Verkrampfungen - es können starre Verkrampfungen (tonische Anfälle) von zuckenden Verkrampfungen (klonische Anfälle) unterschieden werden, zum Teil geht eine tonische in eine klonische Phase des Anfalls über. Betroffen sein können einzelne Körperregionen oder der ganze Körper.
  • Nach dem Anfall - sind Patienten oft umdämmert, d. h. nicht vollständig orientiert und erinnerungsschwach sowie müde. Es können vorübergehende Lähmungen einseitig oder beidseitig auftreten. Erst allmählich wird das Bewusstsein wieder klar.
  • Ein seitlicher Zungenbiss tritt bei einem generalisierten tonisch-klonischen Anfall häufig auf. Liegt er vor, spricht dies mit sehr großer Wahrscheinlichkeit dafür, dass ein epileptischer Anfall abgelaufen ist. Einnässen und Einkoten können vorkommen, da bei allgemeiner Muskelanspannung auch die Bauchpresse (wie beim Stuhlgang) auftritt und die Blasen- und Mastdarmkontrolle nicht gegeben ist.
  • Verletzungen betreffen nicht nur Platz- und Schürfwunden am ganzen Körper. Es kann auch zu Knochenbrüchen kommen, Gelenke können auskugeln. Dies geschieht durch Sturz zu Beginn eines Anfalls, durch die schlagenden Bewegungen meistens auf dem Boden. aber auch durch Dinge, die der Patient während der Phase der Umdämmerung tut wie z. B. auf die Straße laufen ohne den Verkehr wahrzunehmen oder sich an einer heißen Herdplatte zu verbrennen.
  • Die Dauer des Anfalls ist wichtig.Man rechnet vom Beginn der Aura bis zum Ende der motorischen (Bewegungs)-störungen.
  • Auslöser - bei bestimmten Anfallstypen können Auslöser erkannt werden. Es gibt eine Photoempfindlichkeit auf Blitzlichte und in seltenen Fällen auch sog. Reflexepilepsien wie z. B. eine Lese-Epilepsie beim Lesen. Wenn Anfälle immer in den gleichen Situationen auftreten und sich regelmäßig provozieren lassen, spricht man von einer Reflex-Epilepsie.
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